Das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA Im Juli 2013 starteten in Washington D.C. die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (Transatlantic Free Trade Area „TAFTA“ und Transatlantic Trade and Invest Partnership „TIPP“). Das erklärte Ziel der Verhandlungen ist es, die letzten verbliebenen Zölle und Handelshemmnisse abzuschaffen. Insbesondere sollen davon die Landwirtschaft, die Chemie-Industrie sowie Anbieter und Dienstleistungen profitieren können. Dadurch sollen beide Volkswirtschaften Wachstumsimpulse erhalten und Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit 800 Millionen Einwohnern entstünde, einen erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen voraus gesetzt, der größte Markt der Welt. Allein zwei Drittel aller weltweiten Handelsströme entfallen bereits jetzt auf den Handel zwischen den USA und der EU. Zwei Milliarden Euro an Gütern werden jeden Tag zwischen den Beteiligten ausgetauscht. Eine Studie geht davon aus, dass in Deutschland das Pro-Kopf-Einkommen um 4,7 % steigen wird und 181.000 neue Arbeitsplätze entstehen werden. Deutschland ist damit allerdings, aufgrund seiner bereits heute starken Position in der Exportwirtschaft, nur „mittelklassig“. Im EU-Schnitt soll das Pro-KopfEinkommen um 5% steigen; die großen Gewinner wären Großbritannien und die USA mit voraus gesagten 10% beziehungsweise 13%. Verlierer wären vor allem die traditionellen Nicht-EU Handelspartner der USA. Kanada, Mexiko und Japan würden zwischen 6% und 9,5% an Einkommen verlieren. Allerdings sind bereits jetzt Einschränkungen absehbar, welche wohl nicht durch ein Freihandelsabkommen abgeschafft werden oder zumindest kontrovers verhandelt werden dürften. So hat Frankreich durchgesetzt, dass der Sektor der Kulturindustrie wohl ausgeklammert bleiben wird. Zu Kontroversen dürfte es aber auch im Bereich der Lebensmittel kommen. So gelten in Europa schärfere Richtlinien für genmanipulierte Lebensmittel als in den USA. Nicht zuletzt dürfte gerade für Dienstleistungsunternehmen in der IT-Branche interessant werden, wie sich in Zukunft der Datenschutz entwickeln wird. Auch hier sind die Vorschriften in den USA weit weniger streng als in der EU. Zudem scheint es in den USA Lobby-Gruppen zu geben, welche die heimische Auto-Industrie schützen bzw. den „Buy American Act“ weiter bei behalten wollen. Dieses Gesetz von 1933 verpflichtet den öffentlichen Dienst der USA heimische Anbieter bei Ausschreibungen zu bevorzugen. Generell ist aber davon auszugehen, dass die Verhandlungsdelegation der USA einen größeren Spielraum hat als die EU-Delegation. In den USA muss der Vertrag „nur“ vom Kongress gebilligt werden, während in der EU das Europäische Parlament und alle EU-Mitgliedsstaaten zustimmen müssen. Die Obama Administration dürfte sehr stark daran interessiert sein, das Abkommen noch vor Ende der zweiten Amtszeit des Präsidenten 2016 erfolgreich zu beenden. Der EU andererseits dürfte daran gelegen sein, den schwachen Volkswirtschaften im Süden eine zusätzliche Handelsperspektive zu bieten. Es bleibt abzuwarten, inwieweit Vereinfachungen für den transatlantischen Handel erzielt und Handelshemmnisse abgebaut werden. Uns selbst wenn dieses Abkommen zunächst nicht zustande kommt, so ist es nur eine Frage der Zeit bis diese Verhandlungen erneut aufgegriffen werden.  
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